Oberbaumbrücke Berlin

Die Berliner sind felsenfest davon überzeugt, ihre Stadt habe mehr Brücken als Venedig. Das stimmt, und damit nicht genug, sie haben auch mehr Wasserstraßen als Venedig. Das mag verblüffend sein, ändert jedoch nichts an den Tatsachen. Die Stadt an der Spree hat mit fast 1.000 Brücken aus den unterschiedlichsten Stilepochen nahezu doppelt so viele Brücken wie die Stadt der Gondeln. Die beeindruckendste aller Brücken ist die Oberbaumbrücke, die von Kreuzberg über die Spree nach Friedrichshain führt.

Die erste Brücke, die die Friedrichshainer mit den Kreuzbergern verbinden sollte, war aus Holz, befand sich in der Höhe der alten Stadtmauer, stromabwärts in der Nähe der Spree-Insel. Wenn es ums Eintreiben von Zöllen und Steuern geht oder ging, waren und sind alle Staaten dieser Welt von einer Fantasie, die man fast nicht glauben mag. Die Spree wurde am damaligen Brückenstandort auf beiden Seiten mit Baumstämmen versperrt, eine Passage war nur in der Mitte möglich, und da standen die Zöllner. Modernste Logistik vor 200 Jahren! Der Durchlass wurde nachts mit einem dicken Balken verschlossen, daher der Name Oberbaumbrücke.

Über die Oberbaumbrücke wird nicht nur der Straßenverkehr geleitet, sondern auch eine U-Bahn. Für die Gleise war zusätzliches Tragwerk zu verlegen, welches architektonisch verkleidet wurde. Zum Schluss ist eine Brücke entstanden, die einer Burg oder Festung mehr ähnelt als einer Brücke. Das ist verständlich, schließlich ist eine U-Bahn-Brücke ja auch nichts Alltägliches. Eine U-Bahn nutzt in der Regel einen Tunnel und keine Brücke. Mit der Rekonstruktion der Brücke haben sich die Stadtplaner und Handwerker richtig Mühe gegeben. Daher wurden die zwei Mitteltürme und vom U-Bahn-Viadukt die Bögen aufwendig und originalgetreu restauriert.

Das war auch dringend notwendig, da zur Zeit der Teilung Berlins die Grenze quer über die Oberbaumbrücke verlief. Es verwundert nicht weiter, dass sich fortan niemand mehr für die Brücke verantwortlich fühlte und sie langsam aber sicher vor sich hin rottete.

Nach dem Ende der Berliner Teilung wurde die Brücke dann zügig und in einer Mischung aus Original und Moderne saniert, sie erhielt sogar Gestaltungselemente des Architekten Santiago Clatrava aus Spanien.