Berliner Sechstagerennen die Geschichte der Veranstaltung

Im März 1909 fand das erste Berliner Sechstagerennen in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten statt. Dieses erste Rennen folgte einem Trend, der aus den USA herüberschwappte, wo bereits seit 1896 jährlich ein Bahnradrennen über sechs Tage im Madison Square Garden ausgetragen wurde.

Die erste Verbesserung, das Berliner System, wurde bereits 1914 durch eine Punktebewertung von Zwischensprints eingeführt, die in den Fällen über den Sieg entschied, bei denen zwei oder mehr Teams am Ende die gleiche Rundenzahl erreicht hatten. Diese Zwischensprints wurden ebenso ein Markenzeichen des Berliner Sechstagerennens, wie der 1922 eingeführte Sportpalastwalzer. Das Rennradspektakel war in den zwanziger Jahren dermaßen beliebt, dass es von 1924 bis 1933 sogar zwei Mal im Jahr stattfand.

Dennoch war keineswegs sicher, ob diese traditionelle Sportveranstaltung das vor drei Jahren fällige hundertjährige Jubiläum erreichen würde. Mehrfach totgesagt, von 1934 bis 1945 von den Nazis verboten, zwischen 1990 und 1997 mit einer wiedervereinigungsbedingten Zwangspause belegt, findet das Rennen inzwischen wieder jährlich im Berliner Velodrom statt.

Inzwischen ist an ein Ende des Spektakels nicht mehr zu denken. Nach dem erneuten Start nach Kriegsende im Jahr 1949 hielt die Begeisterung für das sechstägige Rennradeln ungebrochen an. Die Rennsportveranstaltung auf zwei Rädern wurde Kult und war bereits ein Event, als noch niemand das Wort kannte. Zuschauer beim Sport sein, dabei viel Essen und noch mehr Trinken, darauf basiert seit jeher das Erfolgskonzept der Veranstaltung, das die Männer der Hauptstadt in ihren Bann zieht.

Die sportlichen Teilnehmer haben das von Beginn an anders gesehen. Zu Beginn waren tatsächlich noch Zweierteams dauerhaft und ununterbrochen im Wechsel auf dem Holzrund mit ihren Rennräden unterwegs. Insgesamt radelten die Radfahrer 145 Stunden, also sechs Tage und drei Stunden. Inzwischen wird immer noch sechs Tage, aber längst nicht mehr rund um die Uhr gefahren und die Rennräder haben sie stark gewandelt. Der 1924 von Franz Krupkat und Richard Huschke aufgestellte Rekord von 4544 Kilometern dürfte daher bis in alle Ewigkeit Bestand haben.